Beratungsmonopol – Interesse oder Konflikt?

von Daniel Kälberer

Der Bundesrechnungshof hat kürzlich die Sportförderung des DOSB stark kritisiert. Kritikpunkt ist vor allem die Intransparenz bei der Vergabe der Fördermittel an die Sportverbände. Der Rechnungshof sieht in dem Beratungsmonopol des DOSB gegenüber dem zuständigen Innenministerium ein Problem, weil der Dachverband des deutschen Sports nicht neutral sein könne.

Interessanterweise ist auf den Sportseiten des deutschen Blätterwaldes kaum darüber berichtet worden. Trotz einzelner kritischer Sportjournalisten spielt das Sportsystem auch an dieser Stelle bewusst mit dem “Interessenskonflikt” des Journalisten, dazuzugehören sowie Informationen und Interviews zu bekommen, oder eben nicht. Ich möchte den Sportreporter sehen, dem es etwas genutzt hätte, einem Trainer oder Spieler kritische Fragen gestellt zu haben.

Das System des organisierten Sports basiert genau auf diesem Gedanken, von ganz oben beim DOSB bis ganz unten zum einzelnen kleinen Verein. Der kleine Verein ist z.B. darauf angewiesen, die Mitgliedermeldung bei den zuständigen Landesverbänden als taktische Stellungnahme zu verstehen. Es geht um die Nutzung von Sportplätzen und vor allem -hallen, und um Fördergelder. Jeder abgezockte Vereinsvorsitzende nutzt unüberprüfbare Rhetorik, um die eigenen Interessen kundzutun, als gesellschaftliches Problem darzustellen und Forderungen zu erheben. Und dem System nutzt es nach oben hin eben auch. Sowohl in Bezug auf die Mitgliederzahlen als auch auf die Forderungen.

Opposition innerhalb dieses Systems könnte es nur von den anderen Vereinen geben. Von der direkten Konkurrenz sozusagen. Während Opposition meint, dass eine andere Haltung eingenommen wird, bedeutet Konkurrenz innerhalb eines Systems, den anderen auszustechen mit denselben Taktierereien. Transparenz und Aufrichtigkeit scheinen jedenfalls keine guten Ratgeber zu sein.

Weiterführend sind es genau die Verbalakrobatiker aus den lokalen Vereinen, die auch die Basis bei den Landesverbänden bilden. Die Verbände sind letztlich abhängig vom Engagement der Vereine. Sie bauen auf die Arbeit der Taktiker und Rhetoriker. Man versteckt sich ganz gern hinter jemandem, der allein mit Schönrederei und großspurigem Auftreten Eindruck erweckt. Diese wissen, dass ihnen das Sportsystem nutzt und sie ihr eigenes “Beratungsmonopol” ausspielen können. Allerdings investieren sie die eigene Zeit nur wegen der zu erwartenden Gegenleistung – in welcher Form auch immer diese erfolgt. Jemand, der taktische Winkelzüge auch jenseits von Satzungen und Regeln nutzt, kann kaum dem Edelmut und dem holden Ehrenamt verpflichtet sein. Das widerspricht sich selbst.

Das Sportsystem krankt. Am Kopfende ist die Krankheit oft beschrieben worden. Kritik an den Weltsportverbänden hat jeder schon einmal vernommen. Das Sportsystem krankt aber auch am Fußende. Dies ist das eigentlich Erschreckende.

Anti-Aging-Faktor Sport

Zum Wert des Sports vor dem Alter

von Daniel Kälberer

Eine der größten Gewissheiten des Menschen ist das Alter. Nur ein früher Tod könnte ihn davor bewahren. Da das aber nicht wirklich eine gute Lösung ist, versuchen viele Menschen, dem „Fortschritt“ ein Schnippchen zu schlagen: Sie feiern jedes Jahr ihren 29.Geburtstag oder greifen zu Salben, Spritzen und OPs. Neuster Gag ist ein Shampoo mit dem Namen „Youth Protect“. Seit Goethe wissen wir allerdings, dass „ewige Jugend“ nur im Bund mit dem Teufel zu haben ist.

Das „Ewige“ sollte man getrost auf ein Jenseitiges verschieben, des Orts, der Zeit, was auch immer. Im Hiesigen gibt es den Sport, zu dessen Vorteilen es gehört, dass man später altert. Weiterlesen

Sportgroßereignisse und soziale Nachhaltigkeit

von Daniel Kälberer

Einige der Grundwerte des Sports haben eine Bedeutung über den Sport hinaus. Wenn man an Fairplay, Zusammenarbeit, Respekt und die Beteiligungsmöglichkeiten denkt, wird einem bewusst, wie wichtig diese Werte auch jenseits des Sports für eine friedliche und gemeinsame Entwicklung sind. Der Zusammenhang besteht also darin, dass der Sport diese sozialen Werte fördert. Weiterlesen

Sport und Demokratie

Zum Zwiespalt eines Zusammenhangs

von Daniel Kälberer

An dieser Stelle wurde schon mehrfach über das Selbstverständnis des organisierten Sports und seine Rhetorik geschrieben. Gerade weil der Sport ein wichtiger Teil der Gesellschaft ist, muss er sich eine kritische Auseinandersetzung mit seiner Selbstdarstellung gefallen lassen. Heute geht es um den Zusammenhang zwischen Sport und Demokratie. Weiterlesen

Sportjahr 2014

Russland und Brasilien im Fokus der Öffentlichkeit

von Daniel Kälberer

In diesem Jahr stehen bekanntlich zwei sportliche Großereignisse an. Dass es hierbei nicht nur um die Ermittlung von Siegern sowie Spaß und Spannung für ein Millionenpublikum geht, verdeutlicht ein Blick auf die unzähligen Baukräne, die viele Jahre ein wichtiger Teil der Vorberichterstattung waren. Weiterlesen

Sport im städtischen Raum

Zur Zukunft des Sports aus Sicht der Stadtentwicklung

von Daniel Kälberer

Das System Sport ist ein ziemlich abgeschlossenes, weil es von einer großen und mächtigen Organisation definiert, organisiert und kontrolliert wird. Will man dieses System kritisch hinterfragen, muss man hin und wieder eine andere Perspektive einnehmen. Weiterlesen

Glaubwürdigkeit und Legitimation

Zum gesellschaftlichen Potenzial des Sports. Ein FAZ-Interview

mit Anmerkungen von Daniel Kälberer

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien vor ein paar Tagen ein sehr interessantes Interview mit dem Sporthilfe-Vorstand Michael Ilgner und dem Vorsitzenden der DFL-Geschäftsführung Christian Seifert. Darin ging es ausgehend vom ablehnenden Bürgerentscheid zu Olympia in München um Fragen zum Image des Sports, um die Vernetzung in der Gesellschaft, um gesellschaftspolitisches Engagement und um die zukünftige Entwicklung. Weiterlesen

Signale an den S(pitzens)port

Zum neuen Selbstbewusstsein der Gesellschaft gegenüber dem Sport

von Daniel Kälberer

Der Sport hat mit vollem Selbstbewusstsein einen wichtigen Platz in der Gesellschaft eingenommen. Zu Recht, wie ich finde, weil der Sport unverzichtbar ist für ein gesundes und reichhaltiges Leben. Sport ist ein Kulturgut. Um aus dieser Position heraus Ansprüche gegenüber der Gesellschaft stellen zu können, tendiert der Sport zur Überhöhung auf unterschiedlichen Feldern. Weiterlesen

28 Mio. Mitglieder

Zum Selbstverständnis des DOSB

von Daniel Kälberer

Am Tag vor der Mitgliederversammlung des DOSB, auf der mit Alfons Hörmann der Nachfolger des neuen IOC-Vorsitzenden Thomas Bach proklamiert wurde, verkündete der organisierte Sport einen neuen Rekord. Fast 28 Millionen Menschen sind jetzt Mitglied in einer dem DOSB angeschlossenen Organisation. Man könnte dem Verband einen Sinn für Humor unterstellen. Weiterlesen

Demokratie und Transparenz

Zum (möglichen) Anspruch der Politik gegenüber dem Sport

von Daniel Kälberer

Der Sport hatte es Anfang September sogar in die Abschlusserklärung des G20-Gipfels der führenden Wirtschaftsnationen in Sankt Petersburg geschafft. In dem Papier wird die Absicht formuliert, dem Kampf gegen Korruption vermehrte Aufmerksamkeit zu widmen. Explizit erwähnt wird hier der Sport als Hochrisikobereich Weiterlesen

Schlecht für die Demenz

Wie Sport das Gehirn beeinflusst

von Daniel Kälberer

Im Prinzip ist der Nachweis einer gewissen Hirnaktivität schon dann gegeben, wenn man sich regelmäßig sportlich betätigt. Weil die positive Wirkung von Bewegung für Gesundheit und Wohlbefinden bekannt ist. Die Bewegungsvermeider sind also von vornherein im doppelten Nachteil, körperlich und geistig. Weiterlesen

Sport oder Zirkus?

zur Red-Bullisierung des Sports

von Daniel Kälberer

Wofür steht der Sport? Was sind seine Prinzipien? Steht er für Leistung, Fairplay und das Miteinander? Für Solidarität, Chancengleichheit und Toleranz? Ist das Prinzip des Sports sein Beitrag zur Bürgergesellschaft, zur Lebensqualität und zur ganzheitlichen Entwicklung des Menschen? Ist Sport wichtig für die Bildung und zum Erlernen sozialer Kompetenz? Oder sind im Sport Grenzerfahrungen und ein authentisches Erleben wichtiger? Weiterlesen

Nolympia oder NOSport?

zur Einmischung der Bürger in den Sport der Funktionäre

von Daniel Kälberer

„Was erlauben Bürger“ … die Menschen in den für die Olympischen Spiele 2022 vorgesehenen Regionen Oberbayerns haben sich in Bürgerentscheiden gegen eine Bewerbung ausgesprochen. Das Votum hat überrascht und in Sportkreisen für Kopfschütteln und Verwirrung gesorgt. Weiterlesen

Sport in der Volkswirtschaft

zum Wert des Sports in der Gesellschaf(f)t

von Daniel Kälberer

Prof.Dr.Christoph Breuer und Felix Mutter von der Sporthochschule Köln haben kürzlich eine Arbeit „zum Wert des Sports aus ökonomischer Perspektive“ vorgelegt. Dabei geht es den Autoren um die Frage, was der Sport für die Gesellschaft schafft, also um den volkswirtschaftlichen Nutzen. Wie wenig allerdings die klassische volkswirtschaftliche Herangehensweise bei der Bewertung des Sports taugt, wird sehr schnell deutlich. Weiterlesen

Fettleibige Kinder und Jugendliche

zur gesundheitlichen Lage Minderjähriger

von Daniel Kälberer

Ca 15% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig, etwas mehr als 6% gelten sogar als fettleibig. Zu diesem Ergebnis kommt das Robert-Koch-Institut in einer Langzeitstudie. In anderen Zahlen ausgedrückt sind das über eine Million Minderjährige in ungesundem Zustand. Weiterlesen

Sport mit Musik

zu passiver und aktiver musikalischer Begleitung des Trainings

von Daniel Kälberer

Warum hören viele Sportler beim Joggen Musik? Die Frage ist leicht zu beantworten, denn die Musik lenkt von der Monotonie des Laufes ab, die Rhythmen unterstützen die gleichbleibende Bewegung, anstrengende Phasen des Trainings werden `überspielt´, die Motivation zur regelmäßigen sportlichen Bewegung wird gefördert. Weiterlesen

Olympiasieger finanzieren

Oder wer profitiert eigentlich von olympischen Medaillen?

von Daniel Kälberer

Robert Hartings Pressekonferenz zu einer neuen Sportlotterie zur Förderung von Spitzenathleten in Deutschland (s.stellvertretend für die vielen berichtenden Medien Spiegel Online) gibt Anlass zum Nachdenken. Nicht so sehr über den Sinn einer solchen Lotterie oder über die Konkurrenz zu anderen, den Sport fördernden Gewinnspielen. Mich hat in erster Linie die Begründung stutzig gemacht Weiterlesen

“Sport” inflationär

Zu konstitutiven Prinzipien des Sports

von Daniel Kälberer

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich finde, dass der Begriff „Sport“ in der deutschen Sprache zu oft benutzt wird.
Ist es tatsächlich sinnvoll, jeden Wettkampf als Sport zu bezeichnen?
Ist es wirklich sportlich, mit 180 km/h über die Autobahn zu rasen und jedes schnelle Auto mit dem entsprechenden Zusatz zu versehen? Weiterlesen

Unbewegliches Deutschland

Zu 2 neuen Studien zur Gesundheit und zum Bewegungsverhalten

von Daniel Kälberer

In jüngster Vergangenheit sind die Studien „zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ des Robert Koch-Instituts und des Bundesgesundheitsministeriums (im Folgenden RKI) und „zum Bewegungsverhalten der Menschen in Deutschland“ der Techniker Krankenkasse (TK) erschienen. Ich möchte hier nur kurz auf das Problem dieser Befragungen hinweisen, das eben auch ein Problem des Bewußtseins der Menschen ist. Weiterlesen